Mir Wurschd – oder: was kann ich eigentlich noch essen?

Illustration von Vladi Kraft zum #Wurstgate

Illustration AtelierVladi Krafft  #Wurstgate

Jedes Jahr bekommen wir pünktlich zur kuscheligen Vielfresser- und Kalorienhochsaison im Herbst unseren alljährlichen Lebensmittelskandal geliefert. Können Sie sich noch an alle erinnern? Ich auch nicht wirklich. Aktuell der neuste Panikmacher: Des Deutschen wichtigstes Grundnahrungsmittel nach Bier und Wein: Die Wurscht! Krebserregend! Total! Auf einer Stufe mit Nikotin. 18% erhöhtes Darmkrebsrisko. Bauchspeicheldrüsenkrebs, lauter so fürchterliches Zeug.

Wird jetzt auf jede Wurstscheibe ein Warnhinweis gedruckt, wie auf den Zigarettenschachteln? Zutritt zum Metzger erst ab 18 Jahren? Wenn ich meinem Mann abends lecker Schnittchen mache, verdächtigt er mich dann, dass ich auf seine Lebensversicherung scharf bin? In Kantinen und Schulspeisungen bald nur noch Salat mit ohne was? Was wird aus meiner guten alten Bifi? Ist die nette Metzgereiverkäuferin bei mir ums Eck eher mein Todesengel? Was ist mit den Passiv-Wurstessern? Kommt eine Salami-Maulkorbpflicht für Kinder? Gehört der Mettigel auf die Liste der bedrohten Tierarten?

 

Schadenfroh lamentieren die Veganer um mich herum jetzt mit einem hämischen “seht ihr, wir habens  ja gleich gesagt, ihr tiermordenden Fleischfresser” und fallen vor lauter Zeigfingerwedeln ins Schwindsucht-Koma. Fast will ich unterwürfig und kleinlaut zustimmen, da penetriert schon die nächste Schlagzeile mein Ernährungsbewußtsein: Menschliche DNA in veganen Würsten gefunden. What???? Also nicht dass ich jemals ein veganes Würstchen hättchen essen wollen, mir langt´s ja schon, wenn man mit denen diskutieren muss, aber menschliche DNA drin? Keine Tiere essen wollen, aber unfreiwillig zum passiven Menschenfresser mutiert? Auch blöd.

Ja und überhaupt: Im Frühjahr wurden wir aufgeklärt, dass Milch absolut ungesund ist. Höhere Sterblichkeit, besonders bei Frauen. Eine Lactoseintoleranz gehört heute ja ohnehin schon zum guten Ton einer jeden modernen Frau. Ja und dann geht´s gleich weiter: Gluten. Ich weiß noch nicht mal wirklich, wie man das richtig ausspricht. Gluuuuuuten, Gluteeeeeeeen oder fränkisch: Gludn. Jedenfalls auch lebensgefährlicher Kram. Das ist irgendein Eiweißklebstoff, der weder zum Essen, noch zum Basteln geeignet ist. Enthalten in Weizen, Roggen und Gerste. Ihr seht schon, worauf ich hinaus will, gell? Körnerfressen: auch ungesund. Hühnerfleisch, Kalbfleisch: Hormonverseucht. Küken werden geschreddert, wer sowas noch kauft, der frißt auch kleine Kinder.

Für diesen Artikel hab ich mir wirklich Mühe gegeben und recherchiert, welche Lebensmittel, die wir oft gedankenlos und sorglos essen, noch totaaaaal ungesund sind. (Bitte nur weiterlesen, wenn Sie sich wirklich  komplett die Laune von mir verderben lassen wollen)

  • Eiscreme – enthält ein hohes Maß an Trans-Fettsäuren und Zucker, künstliche Aromen und Farbstoffe, von denen viele als Nervengifte bekannt sind. (3x Botox in die Waffel bitte)
  • Pommes, Bratkartoffeln und Chips -Sie enthalten auch eines der stärksten Karzinogene in Lebensmitteln: Acrylamid. Acylamid wird gebildet, wenn weiße Kartoffeln bei hohen Temperaturen erhitzt werden. Darüber hinaus werden die meisten der für das Braten von Kartoffeln verwendeten Öle in Gegenwart von Sauerstoff oder bei hohen Temperaturen ranzig. Diese Lebensmittel können Entzündungen im Körper verursachen und erhöhen das Risiko von Herzerkrankungen, Krebs und Arthritis.
  • Speck und Schinken – kann das Risiko von Herzerkrankungen um 42% und Diabetes um 19% erhöhen. Eine Studie der Columbia University fanden heraus, dass 14 Portionen Speck pro Monat die Lungenfunktion beeinträchtigen und das Risiko von diversen Krankheiten erhöhen, die mit der Lungenfunktion in Verbindung gebracht werden. (Dann kann ich ja gleich wieder rauchen)
  • Donuts – Zwischen 35% und 40% der Donuts sind Transfettsäuren, die schlimmste Art von Fett, die man essen kannt. Diese Substanz führt zu Herzkrankheiten, Schlaganfall und Krebs. Um es noch schlimmer zu machen, sind diese Lebensmittel voller Zusatzstoffe, Zucker, künstlichem Teig und enthalten durchschnittlich je 300 Kalorien. (In Fürth hat gerade eine Dunkin Donuts Filiale eröffnet, also eine Suizidtheke)
  • Diät-Cola und andere Sofdrinks (okay, ich werde sicher sterben) Zusätzlich zu all den gesundheitlichen Risiken von Softdrinks, enthalten die meisten Diät-Versionen Aspartam, welches man heute AminoSweet nennt. Nach Recherchen  wird AminoSweet auf einer langen Liste als Mitverantwortlicher von Krankheiten genannt. Wie zum Beispiel Angstzustände, Geburtsschäden, Blindheit, Gehirntumore, Brustschmerzen, Schwindel, Depression, Epilepsie, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Migräne, Herzrasen, Hyperaktivität, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen, Lernprobleme, das prämenstruelle Syndrom, Muskelkrämpfe, Fortpflanzungsprobleme und sogar der Tod. Aspartam kann die Auswirkungen der Alzheimer-Krankheit, chronischer Müdigkeit, Epilepsie, Epstein-Barr-Virus, Huntington Krankheit, Lou-Gehrig-Krankheit, Lyme-Syndrom, Morbus Menière, Multiple Sklerose und Post-Polio imitieren.

 

Um es abzukürzen:

Egal was wir essen, wir sind in ständiger Todesgefahr und wenn wir nicht sterben, dann werden wir zumindest todkrank und ganz sicher fett. Oder wir sind Schuld an dem Unglück der Tierwelt oder an der Überdüngung der Felder, an den Existenzproblemen der Milchbauern, an den Pestizien in unserem Körnerzeug. Wie man es dreht und wendet – Wir können NICHTS richtig machen, unser Kühlschrank und der Vorratsschrank sind reinste Sondermülldeponien.

Unsere Teller sind Kriegsschauplätze.

Ich geh heut volles Risiko ein und lebe wie gewohnt voll am Limit: Ich mach mir jetzt ein Wurschdsemmerla, dazu ne Cola Light und danach nen Krapfm.

Grüße, Ihre Che Miara – Lebensmittel-Widerstandskämpferin

P.S. meine liebe Freundin Lena möge mir meinen Vegetarier-Veganerzynismus verzeihen, dieser ist rein der Dramaturgie geschuldet. Ich zitiere an dieser Stelle unseren gemeinsamen Freund: “Lieber einen guten Freund verlieren, als eine Pointe”  :-*

Danke an Atelier Vladi Krafft für die Illustration

 

 

 

Mia im Domina-Stromstudio oder EMS Training Fürth

EMS Training Fürth Mia unterwegs – wie immer auf der Suche nach lustigen neuen Sachen zum Testen und hinterher drüber schreiben. Dieses Mal wurde ich eingeladen von Brigitte Weber in ihr EMS Training Fürth, um 20 Minuten Probetraining an so einem Miha-Bodytec Gerät zu absolvieren.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ziemlicher Schisser bin, wenns ums Strom geht. Selbst beim Glühbirnenwechsel zu Hause trage ich Gummistiefel, einen Grubenhelm und Gummihandschuhe. Der Schlag lauert immer und überall  – besonders in Altbauten.

Apropos Altbau: Laut Werbung soll man mit dieser Trainingsart in 20 Minuten fit und schlank werden. Ich liebe solche Versprechungen, bin ein dankbares Opfer und will daran glauben und hab mich in mein Profi-Miss-Sporty-Volloutfit geschmissen. Merke: Wer leiden will, muss schön sein! Die erste Handlung: Ich kann mein tolles Outfit gleich mal wieder ausziehen. Komplett. Auch den BH. Ohne Vorspiel. Also die 75C in der Umkleide gelassen und mit den 75A raus an die Front. Dafür bekam ich eine Radlerhose und ein T-Shirt aus Baumwollstrech. Nicht sehr schick, aber notwendig zum Nassmachen. Wasser, Strom, leiten. Ihr versteht schon. Mia verkabelt - ein echtes Netzteilchen

Natürlich bin ich einigermaßen sportlich und meine Problemzonen sind eher Zönchen. Nachdem die Stromkribbelstärke einzeln eingestellt wurde, ging das Training los und ich war der Meinung, ich mach das mal locker aus dem Handgelenk raus. Ja naja, also nicht so ganz. Es ist – wenn man ehrgeizig mitmacht, so wie ich – anstrengend. Und ja: man merkt total, wie man quasi in den jeweiligen Muskel “reinschuftet”. Problemzonen KillerinnenDie 20 Minuten vergingen relativ schnell, man hat wirklich das Gefühl, jede Ecke im Körper bearbeitet zu haben und nach dem Wellness-Stromimpuls zum entspannen am Ende der Session war ich tatsächlich nach 20 Minuten geschafft. (Natürlich lässt sich eine Mia das nicht anmerken – Image ist alles!)

 

Mein Fazit: Wenn man das Gepfriemel mit den Steckern und Patches erst mal geschafft hat, dann ist das ein wirklich sofort spürbares Training. Besonders wichtig ist es, dass man einen echten Profi an der Seite hat. Brigitte hat, glaub ich, fast jeden Trainerschein den es gibt und achtet bei jeder einzelnen Übung darauf, dass man den Rücken richtig hält, die Übungen so macht, dass sie auch etwas bringen und man merkt, dass sie selbst voll “auf Strom” ist. Die perfekte Personaltrainerin mit wirklichem Sportverstand und nach eigenem Test: absolut empfehlenswert für Leute, die überfüllte Fitnessstudios hassen, eine persönliche Betreuung bevorzugen, gezielt Sport machen möchten und wenig Zeit haben.

Nachtrag: 6 Stunden später – MUSKELKATER – Ich will nicht mit dem Hund Gassi gehen und möchte bitte ins Bett getragen werden.

Rapunzel lass Dein Haar herunter! Sind Extensions, nimm die Treppe!

Haarverlängerung made by Fön-X Friseure

Rapunzel Mia – Made by Tamer von  Fön-X Friseure Nürnberg

Der Mädchentraum schlechthin: laaaanges, gesundes Wallehaar. Gaaaaaaaaaaaanz lages Blondhaar – das war mein Traum, als junges Mädchen und auch noch heute, als altes Mädchen :-) Allerdings hatte ich immer Sorge, danach auszusehen wie eine schlechte Katzenberger-Kopie in Seniorqualität. Außerdem muß ich zugeben, war mir das bisher auch immer viel zu teuer für so einen Spleen. Schließlich waren meine eigenen Haare auch mittellang und hübsch durchblondiert. (Blond ist meiner Meinung nach ja keine Haarfarbe, sondern eine Lebenseinstellung)

Bei Fön-X-Friseure gab es das unschlagbare Angebot für Extensions in meiner Wunschlänge 60cm für unter 300,00 Euro. Um mein von meiner Lebenseinstellung und Lebensart gestresstes Echthaar zu regenieren habe ich gleichzeitig noch die angebliche Weltneuheit und super Revulotion “Olaplex” ausprobiert. Was sich anhört wie ein neues Antidepressiva, ist tasächlich stark stimmungsaufhellend, denn es macht aus strapazierten, totblondierten und Silikonshampoo-geschlauchten Haarspaghettis wieder knackige Pasta. (Zuviel Bildsprache, ich weiß)

Meine Leser wissen: Ich persönlich werbe fast nie für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen, außer ich bin wirklich total begeistert – oder man zahlt mir irrsinnig viel Geld. Mein mieser Kontostand beweist: ich hab kein Geld bekommen für diesen Text. Also darf mir die geneigte Leserin glauben: Dieses Olaplex ist der reine Wahnsinn. Es ist quasi wie Botox für Haare. Das heißt: es macht jedes Haar wieder absolut geschmeidig, gesund und natürlich aussehend. Das versprechen auch alle anderen Pflegeprodukte, aber die bestehen halt nur aus parfümierten Erdölresten und Silikongeschmiere, was zur Folge hat, dass Euer Haar schlaff, schnell fettend und strähnig überpflegt am Kopf klebt und sich weigert, eine Frisur anzunehmen.

Chemische Erklärungen schenk ich mir und Ihnen an dieser Stelle, weil weder Sie, noch ich das vermutlich wirklich begreifen. Ich hätte es nicht geglaubt, wenn ich es nicht wirklich selbst gefühlt und gesehen hätte, am eigenen Kopf. Jedenfalls waren meine Haare nach der einmaligen Olaplex-Anwendung wieder so gesund, wie die Premium Echthaarsträhnen, die wir danach eingearbeitet haben. Sehen Sie sich das Foto an, es wurde mit meiner Handykamera aufgenommen und NULL nachbearbeitet. NULL Photoshop oder ähnliche Bildbearbeitung. (Ich hätte mir sonst nämlich auch meine Jogginghose und die Schlafzimmerlampe überm Kopf wegretouchiert)

Für die Haarverlängerung benötigten wir 120 Premium Echthaarsträhning zu je 1 Gramm, 30 davon in der Farbe Caramel, der Rest hellblond. (So wirkt das Farbspiel natürlich und nicht wie eine künstliche Wasserstoff-Pornomatte)

Wenn Sie sich also für eine Haarverlängerung interessieren, sparen Sie nicht am falschen Ende, gönnen Sie sich das Luxuspaket vom Friseur, damit das Ergebnis am Ende nicht billig aussieht und planen Sie ca. 3 Stunden Zeit ein. Demnächst werde ich hier von meinem nächsten Test berichten: Dieses neumodische Stromdings-Training, wo man angeblich mit 10 Minuten Training den Mega-Sixpack bekommen kann. Man darf gespannt sein – ich bin es auch.

freie Radikale

Nordic-Talking oder: das Frauen-Grauen

Der aufmerksame Mia-online-Stalker weiß: ich habe seit einiger Zeit einen Hund. Also einen richtigen, kein kleines Plüschtier mit Echtherzbetrieb sondern eben einen Hund, mit dem man lange Spaziergänge machen muss. Seitdem bin ich glühender Fan des Fürther Stadtwaldes. Am liebsten im Winter oder bei Regen. Oder nach 21 Uhr. Denn vor 21 Uhr bei tollem Wetter ist es nämlich das reinste Grauen.

Wissen Sie was im Wald außer der herrlichen Luft am tollsten ist? Die totaaaaaale Ruhe! Also theoretisch. Denn praktisch sieht die Sache mit der Idylle im Wald und der Ruhe und dem Vogelgezwitscher nämlich ganz anders aus. Vor allem vor 21 Uhr bei tollem Wetter, wie eingangs angedeutet.

Das Grauen kündigt sich bereits aus weiter Ferne an. Kreischendes Geschnatter, keifendes Geschwätz, schrilles Gelächter. Jäh durchdringt es Baum und Strauch und Mark und Bein. Führt zu spontanem Vogel- & Baumsterben. Was ist das? Unerzogene Jugendliche? Wildschweinrudel? Ausflug der Marienkäferchengruppe des Kindergartens? Fast!

Nein, es sind Frauen-Geschwader, bewaffnet mit komischen Stecken, die an Schlaufen an den Händen mitgeschlurcht werden. Mit hängenden Schultern und hochroten Köpfen. Dergestalt wird der Wald durchhatscht, 120 Dezibel pro Eierstock mindestens, auf der Suche nach der Bikinifigur. Man hört sie durch den ganzen Wald, wie sie ihre  Kochrezepte durchsprechen, die neusten Angebote bei Lidl diskutieren und von ihrem letzten Treffen bei den Weight Watchers berichten. Alle. Gleichzeitig. Laut. schrill.

Ihr solltet schreiTen, Ladies – nicht schreien.

Bei meinen Begegnungen mit dieser Spezies habe ich außerdem noch beobachtet, dass es ein ungeschriebenes Gesetz unter den weiblichen Nordic-Talkern zu geben scheint:

Passend zur verhaltensauffälligen Erscheinung  der Damen gilt: Je größer die Konfektionsgröße, um so schreiender die Farbe des glänzenden Outfits. Da umspannt schrill neongelb leuchtender atmungsaktiver Stoff in den Nähten ächzend die prallen 46er-Schenkel und warnwestenorange blendende Shirts halten die 3 Hüftringe im Zaum, auf welchen wabernd die Brüste im Sport-BH aufliegen. Logisch, dass auch die Schuhe noch leuchten müssen, man könnte ja im Wald verloren gehen. (Ich frage mich, wie – bei dem Geschrei) Ich befürchtete mehrfach, meine Kontaktlinsen würden ob der Farbvielfalt verschmoren.

Da lob ich mir die ebenfalls sportelnden Männergruppen: Stumm traben sie ihres Weges, meistens in schlichten ausgewaschenen grau-schwarzen Jogginghosen, die sie sonntags auch auf der Couch tragen. In schweigenden Trüppchen, motiviert unterwegs und immer sofort den Bauch einziehend, wenn Sie auf Ihrem Pfad einer blonden Frau mit Hund begegnen.

Aber das Imperium schlägt zurück.

Zur Strafe parke ich mein grellbunt-schwarzes, flammloderndes Mia-Mafia-Mobil direkt vorm Zieleinlauf der Stockenten und zeig denen mal, was ein 180 Dezibel Sportauspuff lautstärkentechnisch drauf hat.

das Grauen der Frauen von Netzteilchen Mia Stadelmann (Comic gefunden bei Heroes)

Stockenten unter sich ( extrem passenden Comic gefunden bei Local Heroes)

 

 

 

In diesem Sinne: LÄUFT!

 

Frankentatort - streets of nuernberg

Streets of Nürnberg – der Frankentatort

Frankentatort - streets of nuernbergSo, das war er also, der Frankentatort.

Mit einem schwülstigen Rosamunde Pilcher Titel: “der Himmel ist ein Platz auf Erden” Zusammenhang hab ich nicht gefunden. Sei´s drum.

Ging es Ihnen auch so? Sie haben schlimmstes befürchtet und wurden nicht enttäuscht? Ich persönlich bin nach dem ersten “fränkischen” Satz in eine Art beschämter Duldungsstarre gefallen. Nicht mal wenn wir den Mund mit 20 Nürnberger Rostbratwürsten voll haben, reden wir derart bescheuert, wie diese dunkelhaarige Assistenin uns darstellen mußte. Herr Egersdörfer spielte auch eher seinen üblichen Kabarettstiefel, als einen überzeugenden Gerichtsmediziner, war aber wahrscheinlich dabei wenigstens noch etwas originell für nichtfränkische Zuschauer. Hat ja was von Ottfried Fischer der Gute, nur eben aus Fürth. (Fürth!)

Okay, ich gebe zu: Fränkisch klingt selten intelligent, wenig temperamentvoll und schon gar nicht sexy, aber SO geht das nicht, liebe Tatort-Regisseure – oder wer sonst für diesen lokalisierten Sprechdurchfall verantwortlich war.

Also dann weiter im Stoff. Die Story: Irgendein toter Ehemann mit vorgeschobener Ehe-Impotenz, Mordmotiv mit Verdacht auf Zusammenhang mit inoffiziellem Waffenforschungsprojekt und am Ende war´s dann ein studentischer Babysitter im spätpubertären Milf-Fieber. (Vielleicht war das gar kein Babysitterschauspieler sondern Manuel Neuer?) Diesen Bogen schafft auch nur ein Tatort-Autor. Immerhin wurde der geneigte Zuschauer diesmal vom sonst üblichen sozialkritischen Ermahnungszeigefingerwedeln verschont und erstaunlicherweise hat man nicht das in Nürnberg ansässige Heimatministerium nebst kameraomnipräsentem Hausherrn noch mit verwurstet.

Wäre es nicht der Frankentatort gewesen, ich wäre eingeschlafen. Ich schlafe nämlich im Auto als Beifahrer auf langen Strecken immer ein. Ist Ihnen aufgefallen, wie ewig lange die da dauernd nur rumkutschiert sind? Und wie schön frei die Straßen immer waren? Und wie menschenleer? Ja wir sind echt eine pulsierende Metropolregion, gell?! Und wie elegant Fürth quasi ignoriert – weil meistens umfahren*** wurde? Vermutlich haben die Schauspieler auch gar keine Gage bekommen, sondern eine Kilometerpauschale.

Aber – drauf gschissn – wie der Franke sagt – der Tatort war der mit der höchsten Einschaltquote seit 20 Jahren, das sollen uns die anderen Großstadt-Nuschler im restlichen Deutschland erst mal nachmachen.

 

*** höre gerade: man fuhr doch durch Fürth. Vermutlich hab ich das gar nicht erkannt, wenn die Straßen ebenfalls menschenleer, grünwellig und staulos waren oder ich bin bei der ganzen Autofahrerei echt eingeschlafen.

 

 

 

ab in die Anstalt

Deutsche Arroganz – ab in die Anstalt!


Gestern “die Anstalt” im Zweiten gesehen? Ist Ihnen auch das amüsierte Grinsen eingefroren und das vorherige Lachen im Hals stecken geblieben? Glückwunsch! Dann besitzen Sie noch Anstand, Verstand und ein warmes Herz und sind noch nicht von Geiz und Gier zerfressen.

Achten Sie auch mal auf die Bestürzung der Leute im Publikum. Man möchte am liebsten hingehen und sich selbst bei dem alten Herrn für sein eigenes Land entschuldigen! Hut ab vor den Machern dieser Sendung und ich hoffe sehr, dass sie jeden Medienpreis dafür bekommen, den es bei uns gibt.

SO ETWAS hätte ich mir mal gewünscht, von den überbezahlten Fernseh-Dinos wie Jauch und Laber-Lanz derartigen Journalismus serviert zu bekommen. Aber nein. Die quatschen lieber zum 12. Mal in der Woche mit dem Nachbarn eines Freundes, des Fußpflegers des Schwippschwagers seina Mudda des GermanWings-Piloten.

Am Ende dieser “Satire” war ich persönlich das erste Mal in meinem Leben wirklich beschämt, eine Deutsche sein. Wir sollten uns in Grund und Boden schämen. Auch wenn wir selbst als Personen nicht verantwortlich sind, was von 1939 bis 1945 los war, aber wir sind sehr wohl dafür verantwortlich, wie hochmütig, kaltschnäuzig und geldgeil unsere Regierung, unsere Presse und natürlich unsere Stammtischparolenbrüller um die Ecke HEUTE mit dem Thema und den Griechen umgehen.Wir sind verantwortlich dafür, wie wir uns manipulieren lassen durch fette Schlagzeilen über den “faulen Griechen” und über das viele Geld, was “der Grieche” von uns armen Deutschen abzockt. “Der Grieche an sich” hat auf deutsch gesagt für seine Kinder nichts mehr zu fressen, für seine jungen leute keine Jobs und für seine Alten nicht mehr die Möglichkeiten, sie ärztlich zu versorgen. Und wir? Wir pumpen virtuelles Geld als imaginäre Euro-Zahlen in das Bankensystem. Nicht, weil wir uns um die Kinder der Griechen sorgen, sondern weil wir Angst um unseren goldenen fetten Banken-Arsch haben, der uns wegrutscht, wenn Griechenland abkackt. Ich brauch Valium.

Liebe Griechen, bitte verzeiht uns. Wir Deutschen sind nicht alles  Arschlöcher.

 

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Behalten Sie Ihre eigene Meinung.

SAufregendeit es Facebook gibt, wird uns ja der virtuelle Tisch der Nachrichten und das gesamte Privatleben unseres Bekannten- & Freundeskreises täglich neu und reichhaltig gedeckt. Wir wissen nicht nur was Moni Mondgesicht und Hans Wurst zu Abend Essen,  wir wissen auch, welche politische Meinung sie unterstützen, bzw. welchem Schreihals der brave deutsche Mainstream hinterherliked und was wir gefälligst gut, wahr und für richtig befinden sollen.

Ich stelle fest, dass ich mich als Fleischfresser schon als diskriminierte und vor allem verfolgte Minderheit sehen darf. Meine Meinung: “alles unter 600 Gramm ist Carpaccio” finden nur noch 2-3 Steakesser in Franken witzig. Und das auch nur heimlich, ohne öffentliches Like, denn auf so ein Posting folgen ca. 300 Kommentare in welchen man für das gesamte Leid der Weltgeschichte der letzten 40 Jahre verantwortlich gemacht wird. Weil man eben etwas ißt, was Augen hatte.

Anfangs hab ich tatsächlich noch mitargumentiert, weil ich dachte, man würde “solchen” wie mir dennoch toleranter gegenüberstehen. Ähm nein. Ganze Zusammenrottungen von von sich selbst überzeugten Weltenrettern hacken verbal endlos auf einen ein, als hätte man Ihnen persönlich die Weihnachtsgeschenke geklaut.

Sie haben einen Hund? Posten Sie das nicht öffentlich auf Facebook. Sie sind sofort daran Schuld, dass “die ganzen Innenstädte verschissen sind” und alle Kinder angefallen und gefressen werden. Auch wenn Sie schwören, dass Ihr Hund noch niemals nicht auf eine Straße gekackt hat und Kinder höchstens abschmust, egal – Sie werden in Sippenpauschalhaft genommen und sind einfach ein schlechter Mensch, der die Welt zerstört.

Besonders leidenschaftlich gesteinigt werde Sie, wenn Sie die Meinung vertreten, dass übergewichtige Menschen nicht automatisch den besseren Charakter haben, nur weil sie dick sind und dass schlanke, hübsche junge Frauen nicht automatisch blöde oberflächliche Ziegen sind, die nach dem Essen kotzen gehen, nur weil sie schlank sind. Mit solchen Äußerungen haben Sie auf Facebook locker 10 Stunden Beschäftigung mit hasserfüllten Kommentatoren (Huch, es muß heissen: KommentatorINNEN). Probieren Sie es aus, Sie werden nie wieder Langeweile bei schlechtem Wetter haben.

Weitere 3-Tage-füllende Diskussionsthemen: fast alle klassischen Frauenthemen. Da ich bei der Kochrezeptemafia mangels Küchentalent niemals Mitglied werden kann, red ich halt bei der Kindererziehung mit, dachte ich. Immerhin hab ich nachweisbar ein extrem gelungenes Exemplar vorzuweisen: meine zauberhafte fast 21-jährige Kronprinzessin.

Diese wundervolle junge Lady hatte eine Kindheit ohne Sagrotan, Mundschutz und Therapeuten. Fuhr Fahrrad ohne Helm und Knieschützer und war in der Sonne ohne Lichtschutzfaktor 7.000. Wir haben uns erfolgreich gegen Ritalin gewehrt, pädagogisch wertvolles Spielzeug gab es nur selten und ihre ganze Kinderwelt war voll rosanem Mädchenkram mit Glitzer. Sie lief alleine von der Schule nach Hause, ohne GPS-System-Implantat und SUV-Chauffeur. Sie wurde von mir angefaucht und wüst bedroht, wenn sie sich nicht benahm und nur selten habe ich es “ausdiskutiert” wenn Frollein Kind an der Supermarktkasse Rabatz machte. Das tat sie eh nur seltenst und stellte das wegen Erfolglosigkeit ein. Erzählen sie also so etwas den modernen Bindestrich-Müttern und Sie werden gesteinigt, das “arme Kind” bedauert, unter “solchen Verhältnissen” aufgewachsen zu sein. Verantwortungslos ist noch das netteste, was Sie zu hören kriegen.

Schreiben Sie doch einfach mal öffentlich unter ein Spiegel-online-Posting zum Thema Frauenquote, dass Sie die Quote für Blödsinn halten. Und behaupten Sie, dass Frauen, die etwas werden wollen, dies auch schaffen ohne Quote. (Sogar wenn sie aus dem Osten sind und scheiße aussehen) Sie sollten nach dieser Aussage abends im Dunkeln  allerdings nicht mehr alleine auf die Straße gehen, wenn Sie mit Klarnamen auf Facebook angemeldet sind. Sie werden sonst am Ende mit Teena-Ladies geknebelt, mit Räucherstäbchen gefoltert und mit Klangschalen beworfen.

In diesem Sinne:

Haben Sie viel Spaß auf Facebook und behalten Sie Ihre eigene Meinung. (Am besten für sich)

 

 

freie Radikale

freie Radikale

Okay.freie Radikale

Ich bin unwesentlich knapp über 38, gefühlte 24. Also echt jetzt. Das letzte Wochenende war hart für mich. Irgendwas mit wenig Schlaf, Wodka Bull, Bobberswaggeln und viel Rauch (auch um nichts) und lauter Musik.
Montag morgen beim mumpfligen Gassigehen ungeschminkt im Stadtpark treffe ich die üblichen Verdächtigen, also andere Hundebesitzer aus meinem Revier und – als wär das nicht schon schlimm genug – ne ehemalige Nachbarin. Die Planschkuh ist unwesentlich unter 38, dafür über 90 Kilo, deshalb faltenfrei. Das unterscheidet uns. Da sagt das Weib doch tatsächlich: Mensch Mia, dir sieht man dein Leben heute aber auch im Gesicht an.
Für eine Zehntelsekunde lächle ich, weil ich nämlich mein Leben ganz schön toll fand bis eben und diesen Spruch für eben diese Zehntelsekunde tatsächlich für ein artiges Kompliment hielt. (ich hatte meinen 2. Kaffee noch nicht)
 Als ich die ganze Bandbreite dieses Satzes erfasste, war die Tussi schon beim Bäcker und ich in Gedanken an den Waffen und grübelnd über mein Lebens-Gesicht.
Nach der Arbeit schlendere ich also (ich schwöre, rein zufällig) zufällig in die Parfumerie meiner Stadt. Es muss doch was geben für so Gesichter wie meines, dachte ich, uns wenn´s von Ratiopharm ist. Ist vielleicht auch wirklich an der Zeit von Nivea-Creme mal auf was Erwachsenes umzusteigen.
Hilfe, die erste Spachtelmassen-Schickse schwebt auf mich zu und säuselt, nein sie flötet eher: Wie darf ich Ihnen helfen? Ähm ja, also irgendwie was fürs Gesicht, so gegen müde aussehen am Montagmorgen und so. (ich verfluche mich gerade für diese Idee) Ein prüfender Blick. Besorgt. Streng auch irgendwie. Dann ein Seufzen von ihr und ein: jaaaaaaaa, da müssen wir was tun!
Ich fühle mich gerade wie kurz vorm Rentenalter. Ich bin also scheinbar ein visagistischer Pflegefall und bekomme eine Schnabeltassenkollektion in Creme-Form präsentiert. Die rotgefärbte Puderquaste holt einmal tief Luft und fängt an, mich zu “beraten” mit Schaunsemal:
• ULTIMATIVE STRAFFUNG
Diese mehrfach zum Patent angemeldete* Formulierung beeinhaltet die exklusive OGG1 Enzym-Technolgie, die hilft, das Erscheinungsbild vorhandener Ozon- und UVA-Schäden zu reduzieren.
Eine unsichtbare elastische Matrix strafft die Haut, sobald sie mit der Hautoberfläche in Berührung kommt.
Eine Kombination aus seltenen und wirkintensiven Inhaltsstoffen wie Resihi Pilz hilft der Haut, ihre Straffheit, Spannkraft und Widerstandsfähigkeit immer wieder zu erneuern.
Polypeptide fördern die Bildung von Kollagen und Elastin.
Ähm – Hääääääääääääääääää? Matrix? Ozonloch? OGG-was? Polydingens? Alles in meinem Gesicht? Die Aufzählung hört sich für mich an, wie die Beschreibung eines Störfalles im Kernkraftwerk und dessen Auswirkung auf die gesamte Bevölkerung.
Die Faltenfee beendet ihren Satz mit: 30ml für nur 129,00 €.
Ich kalkuliere kurz: Die Kosten für die Beseitigung der samstagnächtlichen Kolateralschäden sind doppelt so hoch wie meine Partyzeche des letzten Wochenendes. Dies erscheint mir irgendwie proportional unwirtschaftlich. Schüchtern erhebe ich mein (immerhin noch jugendlich klingendes) Stimmchen:
Hammse nicht auch irgendwas anderes?
Die Makeupmammsell zieht die Augenbraue leicht hoch. Mit großer Schadenfreude bemerke ich, wie sich dabei ihre Enzymkleisterstirn schlimmer in Falten legt, als die meinige. Ja ich beginne, diese Frau grundlos aber leidenschaftlich zu hassen, da legt sie auch schon zu einem weiteren Creme-Erklärungsreferat los:
• ULTIMATIVE AUSSTRAHLUNG
Sofort wird die Ausstrahlung der Haut erhöht. Mikropulverisierte Südseeperlen reflektieren das Licht und lassen so die Haut heller und strahlender erscheinen. Eine bewährte Kombination aus aufhellenden Substanzen mit dem patentierten Wirkstoff Melanase lässt Pigmentflecken nach und nach verblassen.
ULTIMATIVE GESCHMEIDIGKEIT
Sofort wird das Erscheinungsbild von Linien, Poren und Unebenmäßigkeiten gemildert. Bei regelmäßiger Anwendung gewinnt die Haut ihr glattes Aussehen und ihre Geschmeidigkeit zurück. Optische Weichzeichner der neuen Generation bilden sofort einen perfekten Schleier. Sie streuen Licht und lassen Hautunebenheiten verschwinden. Hocheffiziente, säurefreie Hautverfeinerer gewährleisten, dass abgestorbene, dunkel gewordene Hautschüppchen schneller abgestoßen werden.
Ahjaaaaaaaaaa. Es ist also wirklich schlimm um mich bestellt. Unnötig zu erwähnen, daß dieses Produkt nur unwesentlich weniger kostet, als das vorherige.
Und: ich habe keine Pigmentflecken, ich habe SÜSSE JUGENDLICHE SOMMERSPROSSEN. Und ein Fisch bin ich auch nicht. Ich hab noch niemals was schuppiges an mir entdeckt. Die Frau lügt!!!
Einzig der „Weichzeichner“ ist mir ein Begriff. Davon spricht mein Lieblingsfotograf und Photoshop-Gott auch oft. Es hört sich aus seinem Mund allerdings immer irgendwie niedlich an.
Ich muss hier weg. Aus Verlegenheit kaufe ich ein Parfum im Angebot. Die Rouge-Rumpel wirft mir noch “ein Pröbchen für zu Hause”  in die Tüte. Daheim auf der Couch lese ich, was diese Cremeprobe spektakuläres zu bieten hat. Irgendwas gegen freie Radikale.
Ich mag aber freie Radikale. Ich bin nämlich selbst eine ziemlich freie Radikale. Kann also nichts schlechtes sein. Ich schmeiß den scheiß weg, schau in den Spiegel, grins mich selbst breit an. Stimmt, man sieht mir mein Leben wirklich an. Ich habe nämlich eines.
Kleiner Nachtrag:
Wusstet Ihr eigentlich, daß so ein paar Botoxspritzle auch nicht mehr kosten als 5 dieser pseudoradikalen Tiegelchen? …also hab ich mal zufällig irgendwo gehört und so….
In diesem Sinne:
Ich bind mir jetzt nen straffen Pferdeschwanz nach hinten und seh gleich viel glatter aus!
c/o Mia
* Produktbeschreibungen aus dem Netz geklaut, die gibt es tatäschlich so.
Mia

alles hohl oder was?

vorsicht-hohlkoerperAngelina Jolie ließ sich ziemlich genau vor zwei Jahren  prophylaktisch beide Brüste entfernen und letzte Woche also auch noch die Eierstöcke entfernen. Vorsorglich?! Mein erster Gedanke damals schon: „die spinnt doch“. Damals gelesen: Also nur Brust aushöhlen lassen. Brustwarzen erhalten und paar Monate später Wiederaufbau mit Silikonimplantaten.

Mein damaliger zweiter Gedanke: „die spinnt doch total“ – wurde heute erneut massiv bekräftigt. Das ist doch schon psychopathisch meiner Ansicht nach?!

Naiv wie ich bin, war ich der Ansicht, jede Frau würde so denken wie ich – und wurde eines Besseren belehrt. Da wurde damals in den Forenkommentaren Beifall geklatscht, da wird der besondere Mut hochgelobt, es wird sich bedankt, dass Frau Jolie die öffentliche Vorreiterin macht, man würde sie dafür bewundern und sie wäre ein herausragendes Beispiel und Vorbild für „uns Frauen“ dadurch. Und heute nach den Ex-Eierstöcken fängt das selbe Spiel nochmal von Vorne an.

Da wird also anhand eines (noch relativ neuen) Gentestverfahrens eine Art Wahrscheinlichkeitsprognose erstellt, anhand derer man in Frau Jolies Fall eine 87%ige Quote errechnete, dass sie an Krebs erkranken KÖNNTE.

Okay. Klingt natürlich nicht gerade toll. Dass so etwas Angst machen kann – auch völlig klar.

Ich habe keine medizinischen Kenntnisse. Und auch ich habe, wie jede Frau über 40, Angst vor Krebs. Aber ich bilde mir ein, einen gesunden Menschenverstand zu besitzen. Noch mehr aber besitze ich ein ausgesprochenes Misstrauen gegenüber der Pharmaindustrie und dem Gewinnstreben der Ärzte und Kliniken.

Mir sagt also dieser kleine, nüchterne Menschenverstand: gesunde Brüste abschneiden, umstrittene (vielleicht auch eventuell krebsgefährliche) Implantate dafür einsetzen? Eierstöcke entfernen, die den Hormonhaushalt mitregeln und dadurch gesund halten? VORSORGLICH??? In einem aktuell kerngesundem Zustand? Das Risiko von 3 oder 4 schweren Operationen auf sich nehmen?

Als Argument wird – habe ich heute gelernt – der Krebstod ihrer Mutter gebracht. Die Generationen vor uns hatten kein Vorsorgesystem, keine Früherkennung und die Heilmethoden waren nicht so weit, wie sie heute sind und noch in naher Zukunft verbessert sein werden.  Aus diesem Grund war vor 10-20 Jahren ein (zu) spät erkannter Krebs tödlich und qualvoll. Wie hat die Mutter gelebt? In welchem Stadium wurde der Krebs seinerzeit entdeckt? All das wird gar nicht in die Waagschale geworfen.

Wenn man mir eine 87%ige Wahrscheinlichkeit nennen würde, so würde ich auf die 13%ige Unwahrscheinlichkeit setzen, alle 3 Monate zur Vorsorge gehen und 2 Mammographien und gynäkologische Untersuchungen pro Jahr machen und ansonsten gesund leben und beten. Wenn DANN Krebs früh erkannt wird, kann man immer noch wegschneiden.

Nur: an Vorsorgeuntersuchungen ist halt nicht so viel verdient, wie an schweren Operationen.

Fakt ist: es wurde nie so viel und so schnell operiert wie in der heutigen Zeit. Ob es sich um Bandscheiben, Gelenke, Brüste, Eierstöcke oder Mandeln handelt, alles wird einfach mal schnell operiert. AlternativeHeilmethoden? Geduld? Zuversicht? Umstellungen der Lebensgewohnheiten?

Mit der Angst der Menschen vor Krankheit, Alter & Tod kann man offensichtlich die besten Geschäfte machen.

Jede/r muss für sich selbst entscheiden, was er für sich und seine Gesundheit für richtig hält. Medienkampagnen wie die Jolie-Brüste & Eierestöcke halte ich allerdings für hochgefährlich, schieben sie doch einfach nur eine Art Trend an, verunsichern jede ängstliche Frau noch mehr, verführen Kliniken & Ärzte dazu, noch schneller zum Abschneiden überzugehen und bald schon wird man sich rechtfertigen müssen, wenn man als Frau mit Krebsrisiko noch beide Brüste und sonstige Innereien behalten möchte.

Was macht man eigentlich vorsorglich, wenn es früher in der Familie schon mal einen Hirntumor gab?

Bleiben Sie kritisch! Und vor allem: Bleiben Sie gesund! Weiterlesen

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Aasgeier Journalismus?!

Der 24. März war wahrlich ein schwarzer Dienstag für die Angehörigen der verunglückten Reisenden und die des Bordpersonals. Eine Tragödie, die niemanden unberührt lässt und sofort Mitgefühl bei jedem Menschen auslöst.

Und ja, man möchte informiert sein, wissen was passiert ist, wo der eventuelle Fehler lag, ob es Hoffnung gibt, Überlebende zu finden, ob menschliches Versagen vorliegt, technische Fehler oder ob einfach nur das Schicksal grausam und ungerecht zugeschlagen hat. So weit – so menschlich.

Was uns allen aber gestern medial geboten wurde, überschreitet meines Erachtens alle Grenzen einer Nachrichten-Versorgung oder sachlicher Informationsarbeit seitens der Medien. Auf wirklich allen Kanälen, allen Fernseh- & Radiosendern, jedem online-Magazin und jeder sozialen Plattform wurde diese Tragödie endlos ausgeschlachtet.

Sondersendungen und Gesprächsrunden wurden ins Programm geholt, in Endlosschleife immer wieder die selben Bilder gezeigt, die Landkarte gezeigt, einen mit den Tränen kämpfenden Bürgermeister, Pressesprecher, gefühlte 50x die Ansprache der Kanzlerin und des Präsidenten und lauter Fachleute, die immer wieder sagen, dass man eigentlich nichts sagen kann, weil alles Spekulation wäre, aber dennoch 45 Minuten reden.

Ist das noch schlichte Information und Nachricht oder ist das schon gnadenloser Quotenjournalismus auf dem Rücken einer entsetzlichen Tragödie?! Schier endlos wird dieses Unglück ausgeweidet, tausende Sendeminuten mit Betroffenheit und Leid gefüllt, und immer die Kamera drauf. Keinerlei neue Informationen, aber Spekulationen ohne Ende, natürlich die Frage, ob es denn auch ein Attentat gewesen sein könnte, Verschwörungstheoretiker sind alsbald fleißig am konstruieren von krudesten Verknüpfungen.

Mir als halbwegs selbständig denkender Zuschauer wurde das nach der 3. Nachrichtensendung zuviel. Nicht weil ich desinteressiert bin oder gar herzlos, nein – ich fühlte mich wie ein Gaffer. Was schlimmes ist passiert und alles bleibt stehen und gafft – geschickt geführt von den Medien, die uns das Leid auf immer besser dekorierten Silbertabletts ins Wohnzimmer trägt. Fast bekommt man das Gefühl, die Presse, die Redakteure und SocialMedia-Manager sind dankbar für ein neues Knallerthema, das ordentlich Aufmerksamkeit, Quote, Werbezeit und Klickrate bringt.

Mein tiefster Respekt gilt den Rettern und Helfern, die heute die Leichenteile von 150 Menschen bergen müssen, und mein Herz verkrampft bei der Vorstellung, was die Angehörigen durchleiden müssen.

Ich glaube, ich lass meinen Fernseher heute aus und verbiete meinem Kind, in den Urlaub zu fliegen.

schleife